INTERVIEW MIT BEN SOMBOGAART
Wann haben Sie das Buch zum ersten Mal gelesen?
Das ist schon einige Jahre her. Meine Frau hatte es mir gegeben. Es stand ja auf der Bestseller-Liste. Aber auf den ersten Seiten hatte ich das Gefühl, es geht hauptsächlich um zwei alte Damen, die Tee trinken und Kuchen essen, und habe es wieder zur Seite gelegt. Als später die Produzenten mit der Filmidee auf mich zukamen, habe ich es an zwei Tagen durchgelesen und die mitreißende Geschichte erst erkannt.
Welcher Aspekt des Buches war Ihnen für die Verfilmung am wichtigsten?
Der zweite Weltkrieg spielt im Buch eine weitaus größere Rolle. Das Herz der Geschichte sind für mich die Zwillinge, die zueinander gehören, getrennt werden und darum kämpfen, ein neues Leben zu finden. Es ist ein Liebesfilm über Zwillinge, der in einer schwierigen Zeit spielt. Es geht darum, wie ein politisches System menschliche Beziehungen verändert. Das ist in vielen Ländern immer noch aktuell. Der zweite Weltkrieg ist die Arena, aber nicht das zentrale Thema.
Sie haben viele Kinderfilme gemacht und auch Kinderprogramme entwickelt. Inwieweit hat „Die Zwillinge“ mit Ihrer vorhergehenden Arbeit zu tun?
Unbewusst hat mich wohl die Frage, wie Menschen ihre Identität finden, schon immer angezogen. Hier ist es ähnlich. Die Erwachsenen verwehren Anna und Lotte das Recht, so zu sein, wie sie sind. Anna ist klug und wird vorsätzlich für schwachsinnig erklärt. Lottes Familie ignoriert völlig ihre deutsche Herkunft. Während Annas Kindheitsprobleme offensichtlich sind, spielt sich bei Lotte sehr viel im Inneren ab. Sie verdrängt ihre Herkunft bis ins hohe Alter. Es ist sehr schwierig aufzuwachsen, ohne seine Wurzeln zu kennen. Beide müssen ihre wahre Identität erst finden.
Wie haben Sie Ihren Fokus filmisch umgesetzt?
Schon als die Drehbuchautorin, die Produzenten und ich am Script feilten, war uns klar, dass wir keinen Historienfilm machen wollten. Es sollte mehr an ein „Kleines Kammerspiel“ erinnern. Unser Fokus liegt auf der Persönlichkeitsentwicklung der Menschen und auf ihren Beziehungen. Das hat unseren Filmstil geprägt. Wir wollten so nah wie möglich an die Hauptcharaktere heran. Massenszenen und imposante Panoramaaufnahmen waren uns nicht wichtig. Wir haben uns auf die Menschen konzentriert! Die unterschiedlichen Lebensabschnitte haben auch filmisch verschiedene Atmosphären. Die glückliche Kindheit der Zwillinge ist verträumt. Die schwere und eher dunkle Periode um den zweiten Weltkrieg wurde durch einen speziellen Filmentwicklungsprozess entsättigt. Das Treffen der alten Damen um 2002 ist klar und ohne besondere Bearbeitungstechniken gefilmt.
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